Artenreiche Wiesen

Kleine Inseln des Artenreichtums

Die dauerhafte Pflege von buntblühenden, artenreichen Wiesen und Halbtrockenrasen ist seit der Gründung des Naturschutzzentrums ein (wenn nicht der) absoluter Arbeitsschwerpunkt unserer Gesellschaft. Das NSZ hat sich dabei auf die Mahd von meist sehr kleinen, schwer zugänglichen, oft nassen oder besonders steilen/steinigen Standorten spezialisiert. Derzeit bewirtschaften wir 38 ha unterschiedliche Graslandbiotope, die sich auf insgesamt 80 Flächen verteilen. Die durchschnittliche Flächengröße beträgt also etwa 4700 m². Diese Kleinteiligkeit ist typisch für die letzten Reste der deutschlandweit vom Aussterben bedrohten bunten Wiesen – unsere Tätigkeit erhält die wichtigsten derer im südlichen Landkreis!

Wiesen und Weiden Zittauer Gebirge
Pochewiese (Foto: Kay Sbrzesny)
Flächennaturdenkmal Jachelberg (Foto: Kay Sbrzesny)
Flächennaturdenkmal Birkwiese (Foto: Kay Sbrzesny)

Wenn Mahd nicht ausreichend ist

Wenn spezielle Maßnahmen notwendig werden, um „unsere“ Flächen aufzuwerten, greifen wir natürlich auch auf investive Projekte zurück. Dazu gehören oft die Wiedernutzbarmachung von brachgefallenen, weniger wertvollen Bereichen der Wiesen sowie das selektive Entfernen von Neophyten. Aktuelle und abgeschlossene Beispiele dafür finden Sie hier:

Pflege der Wiese im Stadtwald Ostritz (Foto: Naturschutzzentrum Zittauer Gebirge)

Aktuelle Projekte

Lupine (Foto: Kay Sbrzesny)

Abgeschlossene Projekte

Warum mähen wir überhaupt?

Alle von uns bewirtschafteten Wiesen sind aus irgendeinem Grund landwirtschaftlich unrentabel und/oder von herausragendem naturschutzfachlichem Wert. Oftmals tummeln sich hier eine Vielzahl mehr Pflanzen-, Tier und Pilzarten als in der „Normallandschaft“. Diesen hohen Wert für die heimische Artenvielfalt können die Flächen aber nur aufrechterhalten, wenn sie regelmäßig geschnitten werden und die Biomasse fachgerecht von der Fläche entfernt wird. Anderenfalls würden einzelne konkurrenzstarke Kraut- und/oder Grasarten den Großteil der Pflanzenarten und mit diesen an sie angepasste Lebewesen verdrängen. Am Ende dieser sogenannten Sukzession steht in der Regel eine Waldgesellschaft, in welcher ganz andere – und oftmals auch weniger – Arten vorkommen als auf unseren Wiesen. So erhalten wir durch unseren unermüdlichen Einsatz beispielsweise die letzten Vorkommen der Arnika im Zittauer Gebirge, den größten Bestand des Breitblättrigen Knabenkrautes im südlichen Landkreis Görlitz und eine einzigartige Population des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings – sowie viele weitere seltene Arten mehr!

Breitblättriges Knabenkraut (D. majalis) (Foto: Kay Sbrzesny)
Heller Wiesenknopfameisenbläuling (Foto: Kay Sbrzesny)
Arnika (Foto: Kay Sbrzesny)

Was wir gegen das Insektensterben tun

Apropos Ameisenbläuling – natürlich zählen die Vertreter der Insekten und Spinnentiere zu unseren Zielarten bei der Wiesenpflege. Seit jeher bemüht sich das NSZ um größtmögliche Vorsicht gegenüber den vulnerablen Tieren – natürlich immer vor dem Hintergrund, dass unsere Gesellschaft wirtschaftlich arbeiten muss. Grundsätzlich bedeutet jedes Pflegeereignis eine Katastrophe für die Wirbellosenfauna, da mit einem Mal der Lebensraum verschwindet. Die Geschwindigkeit mit der diese Katastrophe mittlerweile über ganze Landschaften hereinbricht, ist wohl einer der Hauptgründe für den massiven Rückgang unserer Insekten. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft geben wir bei der Mahd schneidenden Werkzeugen den Vorzug gegenüber rotierenden Mähgeräten. Mulchen und Aufbereiten ist für uns absolutes Tabu! Außerdem bemühen wir uns bei jedem Mähvorgang Ausweichflächen, sogenannte Altgrasbereiche, für Insekten und Kleintiere zu belassen – und das natürlich in Abhängigkeit der überhaupt jeweils vorkommenden Tiere. Sie sehen – unsere Arbeit ist viel mehr als Rasenmähen und verlangt Erfahrung, Konzentration, Artenkenntnis und jede Menge Fingerspitzengefühl.

 

Finanziert wird diese Arbeit größtenteils über Fördermittel. Auch ein Teil unserer genutzten Technik ist über die Richtlinie Natürliches Erbe gefördert. Mehr Informationen dazu hier.

Wildbiene auf Teufelsabbiss (Foto: Kay Sbrzesny)
Dunkler Wiesenknopfameisenbläuling auf Wiesenknopf (Foto: Kay Sbrzesny)
Taubenschwänzchen (Foto: Gustav Haase)